Prometheus

Textfassung nach Heiner Müller

Prometheus hat sich freiwillig in seine Innenwelt zurückgezogen,
um sich selbst und Zeus etwas zu beweisen. Zeus hat Prometheus
das Feuer überlassen und Prometheus dann beschuldigt dasselbe
gestohlen zu haben. Prometheus ist verletzt. Er hat Zeus geliebt
und liebt ihn noch. Es besuchen ihn immer wieder zwei Personen,
Io und Hephaistos; neben dem Chor, der Prometheus nicht
mehr von der Seite weicht. Prometheus sehnt sich nach jemanden
der ihn sieht wie er ist, nach jemanden wie Zeus. Doch die
unterlegenen, ungebetenen Besucher kommen in sein Inneres,
spazieren darin herum und bleiben blind oder erblinden.

Der Ablauf folgt nicht der Kausalität des vorliegenden Textes.
In antiker zeitphilosophischer Tradition gab es keine Vorstellung
von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Man glaubte
an das „nunc stans“, das zeitlose Jetzt. Alle zeitlichen Ebenen
überschneiden sich, kehren wieder, laufen parallel etc. So auch
in dieser Inszenierung. Des Weiteren ist die Abgrenzung
der einzelnen Personen nicht eindeutig vollzogen. Es gibt viele
Menschen, aber nur wenig Bedürfnisse. Menschen unterscheiden
sich lediglich in der Art und Weise sich Lust zu verschaffen
und Unlust zu vermeiden, in unseren Bedürfnissen sind wir eins.
Deshalb bleibt in dieser Inszenierung offen, in wieweit sich
Prometheus' Ich von dem seiner Besucher trennen lässt.

Regie: Juliar Jost
Kostüm:
Sophia Schneider, Antonia Mautner Markhof,
Sarai Feuerherdt

Darsteller:
Elena Schmid, Vedi Emde, Natascha Kuch,
Karoline Fritz

Ort: Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg
Datum: März 2010

Prometheus, Regie Juliar Jost, Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg, März 2010
Prometheus, Szenenfoto 1, Regie Juliar Jost, Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg, März 2010
Prometheus, Szenenfoto 2, Regie Juliar Jost, Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg, März 2010
Prometheus, Szenenfoto 3, Regie Juliar Jost, Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg, März 2010